Home
Dr. Kreisky
1965
Müsserei
Der Rabe
Das Bartgedicht
1966/1
1966/2
1966/3
Lieber Freund
Was ich möchte
1975
1978
Wart' a bisserl
1983
1984
Euphorismen
Mixed Pickles
Die Abrechnung
Feuervogel
Mandala
Königsweg  1
Königsweg  2
Gestern
Zenzerl
Der Kosmos
Kontaktseite
Die Unfehlbaren
Vorsicht  !
Sextourismus
Bischof Laun
Beichte
Richard Picker
Was ist was ?
Bischof Krenn
Min. Bartenstein
Euro
11.Sept. 2001
Der Vatikan
Heimat
Journalismus
Schreibwerkstätte
Graffity
Terror
Trittbrett
Na ja ...
Berufung
Werbung
Foto von Zenzerl

Zenzerl

– Die kleine Therapeutin –

Ja, es ging mir schlecht.

Ich war in das bewußte Loch gefallen, das man so allgemein die “ gemeine Depression” nennt.

Die Wohnung war verdunkelt, das Telefon abgeschaltet, die Tür versperrt – der Kühlschrank leer und alle menschlichen Kontakte abgebrochen. –

Nicht, daß ich die Kraft gehabt hätte, aktiv gegen mich etwas zu unternehmen, aber irgendwo war da die Absicht

“mich verhungern zu lassen bis ich tot bin”.

Es war ungefähr die dritte Woche in dieser Situation. Da läutete es an der Tür. Als ich öffnete, stand ein alter Freund vor mir, im Arm ein bezauberndes Rauhaardackel – Welperl. Er lächelte gewinnend, drückte mir das verschüchterte Dackelchen in die Arme und sagte nur: “Es ist ein Mädchen, heißt Zenzerl, und braucht dich !”

Damit drehte er sich um und ließ mich mit meiner Verwirrung und meinem Schreck allein. Natürlich war ich von oben bis unten naß, denn das Zenzerl hat sich auch geschreckt.

Meine erste Reaktion war: Ich kann es nicht, ich schaff‘ es nicht, das bedeutet Bewegung, Arbeit, Überlegung ...

Ich muß unter Leute –

Es würde ein Buch füllen, wollte ich beschreiben, wie wir zueinander, und dann miteinander zu den Menschen gefunden haben.

Zenzele war meine kleine PR – Frau.

Sie war so klein und entzückend, daß die anderen Hundebesitzer uinwillkürlich auf sie reagierten, und da ich nun einmal an der anderen Seite der Leine hing, mit mir zu plaudern begannen. Man traf sich jeden Tag zur gleichen Zeit und es haben sich daraus schöne “Hunde” – Freundschaften  entwickelt, an die ich heute noch gerne denke.

Zenzele hat – bedingt durch einen schweren Unfall und darauffolgender Dackellähme – nicht lange gelebt. Aber eines ist sicher: Sie war in meiner Situation und für die ganze Zeit, die sie bei mir war, mein Schutzengerl ...