– Die kleine Therapeutin –
Ja, es ging mir schlecht.
Ich war in das bewußte Loch gefallen, das man so allgemein die “ gemeine Depression” nennt.
Die Wohnung war verdunkelt, das Telefon abgeschaltet, die Tür
versperrt – der Kühlschrank leer und alle menschlichen Kontakte abgebrochen. –
Nicht, daß ich die Kraft gehabt hätte, aktiv gegen mich etwas zu unternehmen, aber irgendwo war da die Absicht
“mich verhungern zu lassen bis ich tot bin”.
Es war ungefähr die dritte Woche in dieser Situation. Da läutete es an der Tür. Als ich öffnete, stand ein alter Freund vor mir, im Arm ein bezauberndes Rauhaardackel –
Welperl. Er lächelte gewinnend, drückte mir das verschüchterte Dackelchen in die Arme und sagte nur: “Es ist ein Mädchen, heißt Zenzerl, und braucht dich !”
Damit drehte er sich um und ließ mich mit meiner Verwirrung
und meinem Schreck allein. Natürlich war ich von oben bis unten naß, denn das Zenzerl hat sich auch geschreckt.
Meine erste Reaktion war: Ich kann es nicht, ich schaff‘ es nicht, das bedeutet Bewegung, Arbeit,
Überlegung ...
Ich muß unter Leute –
Es würde ein Buch füllen, wollte ich beschreiben, wie wir zueinander, und dann miteinander zu den Menschen gefunden haben.
Zenzele war meine kleine PR – Frau.
Sie
war so klein und entzückend, daß die anderen Hundebesitzer uinwillkürlich auf sie reagierten, und da ich nun einmal an der anderen Seite der Leine hing, mit mir zu plaudern begannen. Man traf sich jeden Tag zur gleichen
Zeit und es haben sich daraus schöne “Hunde” – Freundschaften entwickelt, an die ich heute noch gerne denke.
Zenzele hat – bedingt durch einen schweren Unfall und darauffolgender Dackellähme – nicht
lange gelebt. Aber eines ist sicher: Sie war in meiner Situation und für die ganze Zeit, die sie bei mir war, mein Schutzengerl ...